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Materialien

Handys und Asyl

Methodenbeschreibung

Technischer Hinweis zur korrekten Ansicht der Übung:

Gehe in den Einstellungen deines Computers in die „Anzeige(auflösung)“. Überprüfe dort die Einstellungen der Skalierung und passe sie ggf. auf 100% oder 125% an. Bei einer Skalierung von 125% muss die Ansicht im Browser von 100% auf 80% reduziert werden.

Welche Rolle spielt das Smartphone auf der Flucht und was passiert mit den Handydaten im Asylverfahren? Die Teilnehmer*innen setzen sich anhand eines 15-minütigen interaktiven Videos kritisch mit dem Thema „Digitalisierung im Asylverfahren“ auseinander. Im Video sind verschiedene Lernstationen verankert, die beispielsweise anhand eines Quiz oder einer Drag-and-Drop Übung die Inhalte aufgreifen oder weitere Informationen bereitstellen. Nachdem die Teilnehmer*innen das Video angeschaut und die einzelnen Lernstationen durchgespielt haben, folgt eine Reflexion über Möglichkeiten selbst aktiv zu werden.

Methode: Kleingruppenarbeit
Zeitaufwand: 90 bis 120 min
Zielgruppen: ab Klasse 9, außerschulische Jugendgruppen, junge Erwachsene
Gruppengröße: max. 30 Teilnehmer*innen
Raum, Aufbau: Stuhlkreis, Orte für Kleingruppen
Material: Laptops/ Tablets/ Smartphones mit Lautsprecher/Kopfhörer, Internet (WLAN), Beamer
Arbeitsmaterial: Moderationskarten und Marker
Teamer*innen: mind. 1
Komplexität: Die Übung behandelt ein komplexes Thema. Die Teilnehmer*innen sollten sich im Vorfeld mit dem Thema Migration und Flucht auseinandergesetzt haben und Begrifflichkeiten sollten geklärt sein. Wir empfehlen deshalb als Einstieg die Übung „Grenzen erkennen“ durchzuführen.

Die Teilnehmer*innen verstehen den Zusammenhang zwischen Flucht, Digitalisierung und der Praxis des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge). Sie lernen Fluchtgründe kennen und beschäftigen sich mit der Rolle von Smartphones bei der Flucht. Sie setzen sich mit kritischen Perspektiven auf das Vorgehen des BAMF auseinander und reflektieren, warum das Auslesen von Smartphones im Asylverfahren im Video als rassistische Praxis benannt wird. Sie verstehen den Zusammenhang zwischen Datenschutz und Grundrechten und somit, warum die kennengelernte Praxis des BAMF die Rechte von Geflüchteten massiv einschränkt.

Während des letzten Teils der Übung diskutieren die Teilnehmer*innen kennengelernte Handlungsmöglichkeiten und überlegen, ob und wie sie selbst aktiv werden wollen und können.

Die Übung besteht aus zwei Teilen: Im ersten Schritt schauen und besprechen die Teilnehmer*innen in Kleingruppen das interaktive Video (40 Minuten). Darauf folgt eine 45 bis 60-minütige Reflexion. Wir empfehlen danach, oder nach den ersten beiden Reflexions-Phasen, eine Pause von 15 Minuten.

Die*der Teamer*in macht sich Gedanken über eine sinnvolle Einteilung in Kleingruppen. Es werden so viele Stationen mit Computern aufgebaut, dass jede Kleingruppe das Video in Ruhe angucken kann (nach Möglichkeit auf mehrere Räume aufteilen).

Hinweis: Auf youtube (ohne interaktiver Übung) kann das Video vorab heruntergeladen werden und dann auch offline gezeigt werden.

Die*der Teamer*in stellt das interaktive Video und die beiden Expert*innen, Lea Beckmann (Juristin, Gesellschaft für Freiheitsrechte) und Tareq Alaows (Aktivist, Berater für Asyl- und Aufenthaltsrecht) kurz vor. Sie*er beschreibt welches Thema im Video behandelt wird. Die*der Teamer*in gibt den Teilnehmer*innen den Arbeitsauftrag, sich das Video in ihren Kleingruppen anzuschauen und die Aufgaben gemeinsam zu lösen. Sie sollen sich am Ende außerdem in der Kleingruppe kurz zu den folgenden Fragen austauschen (die Fragen sollten für alle sichtbar angeschrieben werden):

  • Was hat euch überrascht? Was war neu für euch?
  • Was scheint euch besonders wichtig?

Die Teilnehmer*innen werden in Kleingruppen von je drei Personen eingeteilt oder können selbst Kleingruppen bilden. Sie sollen nach 40 Minuten wieder im Stuhlkreis zusammenkommen.

Die Durchführung erfolgt wie in einer Präsenz-Veranstaltung. Die Teilnehmer*innen werden von der*dem Teamer*in im jeweiligen Video-Konferenz-Tool in Break-Out-Rooms eingeteilt. In den Kleingruppen spielen die Teilnehmer*innen das interaktive Video zunächst für sich alleine durch. Im Anschluss besprechen sie die beiden Fragen in der Gruppe (damit die Fragen für alle Gruppen sichtbar sind, sollten diese in den Chat kopiert werden).

Die Gruppe kommt im Stuhlkreis zusammen, bzw. alle versammeln sich wieder im Hauptraum des Video-Konferenz-Tools. Die*der Teamer*in moderiert die etwa 45 bis 60-minütige Reflexionsphase.

Die*der Teamer*in startet mit Fragen zu Emotionen und zur Bewertung und dem Transfer:

  • Was sind eure Gedanken zu den im Video behandelten Themen?
  • Welche Gefühle hat das Video bei euch ausgelöst? Warum?
  • Welche positiven oder negativen Erfahrungen machen Menschen auf der Flucht mit ihren Smartphones?
  • Welche Gefahren birgt ein Smartphone für Geflüchtete im Asylverfahren?
  • Welche Informationen speichern Smartphones über ihre Nutzer*innen? Warum kann das für Geflüchtete zum Problem werden?
  • Lea (Beckmann) verwendet den Begriff “gläserner Mensch” im Video. Was meint sie damit?
  • Betreffen die Nachteile oder Gefahren eines „gläsernen Menschen“ alle Menschen gleich? Warum? Warum nicht?
  • Warum hat das BAMF ein Interesse daran die Daten von Geflüchteten auszulesen?
  • Lea und Tareq analysieren, dass die Praxis des BAMF geflüchtete Menschen diskriminiert und rassistisch ist. Wie bewertet ihr das?
  • Was wusstet ihr schon über das Asylverfahren oder Asylpolitik in Deutschland? Kennt ihr weitere Menschen oder Initiativen, die in dem Zusammenhang über Rassismus oder Diskriminierung sprechen?

Im zweiten Schritt folgen Fragen zu den Handlungsmöglichkeiten, die die Protagonist*innen nennen. Die Teamer*in kann die Teilnehmer*innen auffordern, sich zunächst in Murmelrunden zu den Fragen auszutauschen, bevor Stimmen im Plenum gehört werden.

  • Welche Möglichkeiten nennt Lea um der diskriminierenden Praxis des BAMF etwas entgegenzusetzen?
  • Welche der Möglichkeiten kommt euch erfolgsversprechend vor? Warum?
  • Was macht Tareq alles, um gegen die rassistische Praxis vorzugehen? Mit wem arbeitet er dabei jeweils zusammen?
  • Kennt ihr die SEEBRÜCKE? Wenn ja, was macht sie?

Zum Abschluss regt der*die Teamer*in die Teilnehmer*innen dazu an, sich über Handlungsmöglichkeiten auszutauschen. Die Teilnehmer*innen tauschen sich zu jeder Frage kurz in Murmelrunden aus und schreiben ihre Ideen auf Moderationskarten auf. Auch wenn nicht alle ihre Ideen mündlich vorstellen, legen alle Teilnehmer*innen ihre Karten in die Mitte. Bei zwei Teamer*innen kann eine Person die Karten auch Clustern.
Bei Online-Seminaren können Teilnehmer*innen ihre Antworten auch mithilfe von Tools visualisieren (z.B. https://www.oncoo.de/Kartenabfrage/).

  • Kennt ihr weitere Initiativen, die sich gegen Diskriminierung und für die Rechte von geflüchteten Menschen einsetzen? Wenn ja, welche kennt ihr?
  • Habt ihr eine Idee, wie ihr auf den Bundestag einwirken könnt, um eine Gesetzesänderung zu erwirken? Welche Möglichkeiten gibt es?
  • Warum denkt ihr, wissen so wenige Menschen über die Vorgehensweise des BAMF Bescheid? Wie könnte das verändert werden?
  • Könnt ihr euch vorstellen selbst aktiv zu werden? Wenn ja, in welcher Form? Was benötigt ihr dafür?

Falls Teilnehmer*innen dabei sind, die selbst im Asylverfahren sind oder dieses durchlaufen haben, sollten sie nicht dazu aufgefordert werden von ihren Erfahrungen zu berichten. Wenn dieser Impuls von der*dem Teilnehmer*in selbst kommt, ist es sinnvoll den Raum für die Erlebnisse zu öffnen. Die*der Teamer*in sollte dabei aber sensibel sein und nicht darauf drängen über negative Erfahrungen zu berichten. Bei diskriminierenden Äußerungen muss interveniert werden, damit es nicht zu einem Lernen auf Kosten von den Personen kommt. Das bedeutet beispielsweise zu intervenieren, wenn einer Person, die über eigene Diskriminierungserfahrungen berichtet, diese abgesprochen werden, oder die Erfahrungen heruntergespielt werden.

Während der Übung können weitergehende Fragen konkret zum Asylverfahren oder allgemein zu strukturellem Rassismus in Institutionen aufkommen. Die*der Teamer*in sollte sich vorab mit diesen Themen auseinandersetzen, um Fragen beantworten zu können. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl stellt beispielsweise auf ihrer Website zahlreiche Fakten und Informationen bereit (https://www.proasyl.de/thema/).

Es kann dazu kommen, dass Teilnehmer*innen geflüchtete Menschen als passive Opfer darstellen. In dem Fall kann es sinnvoll sein auf die (im Video benannte) Selbstorganisation von geflüchteten Menschen zu verweisen und somit eine einseitige Darstellung in Frage zu stellen.

Wenn Positionen von Teilnehmer*innen aufkommen, die Flucht oder geflüchtete Menschen mit rassistischen Aussagen als Problem darstellen, ist es sinnvoll argumentativ gegenzusteuern. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht sollte stattfinden (z.B. Verweis auf globale Ungleichheiten und Ursachen von Flucht, die ggf. auch im Globalen Norden verursacht werden).

Das F3_kollektiv hat sich bewusst dafür entschieden das Thema aus der Perspektive und mit der Expertise von zwei Personen darzustellen, die im öffentlichen Diskurs wenig gehört werden. Teamer*innen können dies transparent ansprechen oder bei Rückfragen thematisieren, dass die Perspektive des BAMF oder des BMI medial weit verbreitet ist und offizielle Stellungnahmen von Teilnehmer*innen schnell recherchiert werden können. In der von der Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. veröffentlichten Studie „Das Smartphone, bitte! Digitalisierung von Migrationskontrolle in Deutschland und Europa“ (https://freiheitsrechte.org/studie-handydatenauswertung/) befinden sich neben weiteren Information zum Thema in den Quellen-Angaben auch Verlinkungen zu Anfragen an das BAMF und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI).

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