Neues Bildungsmaterial zur Gefahr rechter Bewegungen online

Protestierende halten ein Banner
Foto Yelena from Pexels, https://www.pexels.com/photo/crowd-holding-climate-change-protest-banner-10204142/

Unsere neuen Bildungsmaterialien sind online! Im Projekt „Bildung zu den SDGs gegen rechte Ideologien – Kämpfe und Strategien aus dem Globalen Süden“ haben wir Methoden für machtkritisches Globales Lernen und die politische Bildungsarbeit entwickelt. Sie unterstützen dabei, rechte Ideologien, Antifeminismus und Klimawandelleugnung verständlich und lebensnah zu thematisieren. Die Materialien sind kostenlos, praxiserprobt und als Open Educational Resources frei nutzbar. Wir laden Lehrkräfte, Multiplikator*innen und alle Interessierten ein: Schaut hinein, probiert die Methoden aus und passt sie an eure Bildungsarbeit an.

Rechte Bewegungen sind eine Gefahr für Klima- und Geschlechtergerechtigkeit
Rechte Bewegungen gewinnen weltweit an Einfluss. Sie versuchen, gesellschaftliche Veränderungen zurückzudrehen und greifen Rechte an, die Menschen über lange Zeit erkämpft haben. Besonders häufig richten sich diese Angriffe gegen Geschlechtergerechtigkeit und Klimagerechtigkeit – zwei zentrale Ziele für nachhaltige Entwicklung: SDG 5 und SDG 13.
Akteur*innen wie die AfD, Donald Trump oder Argentiniens Präsident Javier Milei nutzen Unsicherheiten und Ängste, die durch aktuelle Krisen entstehen. Sie verbreiten Falschinformationen, rechte Hetze und einfache Erklärungen für komplexe Probleme. Gerade in sozialen Medien erreichen solche Botschaften schnell viele Menschen.

Was auf den ersten Blick wie unterschiedliche Debatten aussieht, folgt oft ähnlichen Mustern: Ungleichheit wird als normal dargestellt. Menschen oder Gruppen, die ohnehin benachteiligt werden, werden zu einem angeblichen Problem erklärt. So geraten Frauen, queere Menschen, LGBTQI*-Personen, Migrant*innen oder Menschen aus dem Globalen Süden besonders unter Druck.

Was haben rechte Bewegungen weltweit gemeinsam?
Rechte Bewegungen unterscheiden sich je nach Land und politischem Kontext. Dennoch verbindet viele von ihnen eine grundlegende Idee: Nicht alle Menschen sollen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben. Gleichzeitig sind rechte Akteur*innen international vernetzt. Sie verwenden ähnliche Erzählungen, tauschen Strategien aus und passen ihre Botschaften an die jeweilige Situation vor Ort an.

Zwei Themen spielen dabei eine besondere Rolle:

  • Antifeminismus: Rechte Akteur*innen greifen Frauenrechte, queere Lebensweisen, LGBTQI-Rechte und Geschlechtergerechtigkeit an. Sie behaupten oft, Gleichstellung bedrohe Familien oder die Gesellschaft.#
  • Klimawandelleugnung und Desinformation: Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel werden angezweifelt oder verzerrt. Dadurch wird es schwerer, Maßnahmen für Klimaschutz und eine gerechte Verteilung von Verantwortung und Folgen der Klimakrise durchzusetzen.

Doch der Blick auf diese Entwicklungen muss nicht in Hilflosigkeit enden. Weltweit organisieren sich Menschen gegen rechte Politik und Propaganda. Bewegungen wie Ni Una Menos aus Argentinien oder Jin, Jiyan, Azadî aus Iran stehen für Widerstand, Solidarität und den Einsatz für gleiche Rechte. Ihre Erfahrungen und Strategien sind deshalb ein wichtiger Teil unserer Materialien.

Bildung, die zum Handeln ermutigt
Bei emotionalen und komplexen Themen reicht es nicht, Fakten zu vermitteln. Bildungsarbeit braucht auch Raum für Austausch, kritische Fragen, Perspektivwechsel und Gefühle. Angst, Wut und Hoffnung gehören zur Auseinandersetzung mit Klimakrise, Antifeminismus, Diskriminierung und rechten Ideologien dazu.

Unsere Materialien verbinden Wissensvermittlung mit sozial-emotionalem Lernen. Sie helfen dabei, Narrative und Strategien rechter Bewegungen zu erkennen, Falschinformationen kritisch zu hinterfragen und eigene Positionen zu entwickeln. Gleichzeitig zeigen sie, wo Menschen weltweit für Klima- und Geschlechtergerechtigkeit kämpfen – und was sie bereits erreicht haben.
Die Methoden sind spielerisch, partizipativ und medienpädagogisch aufgebaut. Sie machen schwierige Zusammenhänge greifbar, knüpfen an die Lebensrealitäten der Teilnehmenden an und eröffnen Gespräche über Handlungsmöglichkeiten im eigenen Alltag. Die ausführlichen Ablaufpläne und fertigen Druckvorlagen machen es leicht, direkt loszulegen.

Foto: Miriam Juschkat/F3_kollektiv

Materialien in einfacher Sprache
Für die politische Grundbildung haben wir vier Methoden in einfacher Sprache entwickelt. Sie eignen sich für gering literalisierte Erwachsene sowie für Menschen, die einfache Sprache benötigen:

  • Demokratie in Gefahr: Die Teilnehmer*innen diskutieren demokratische Grundwerte und positionieren sich zu rechten und demokratischen Aussagen auf einem Meinungsbarometer.
  • Lügen über den Klimawandel enttarnen: Die Teilnehmer*innen setzen sich mit ihren Gefühlen zur Klimakrise auseinander, lernen Perspektiven von Betroffenen kennen und erarbeiten anhand eines interaktive Lernvideos, wie man Klimawandelleugnung argumentativ begegnen kann.
  • Frau Leben Freiheit – Geschichten von Wut und Hoffnung: Mit einem interaktiven Lernvideo, partizipativen Methoden, Schreibübungen von schweren Wörtern und Elementen des emotional-sozialen Lernens wird die Geschichte von „Jin Jiyan Azadî“ und von Kämpfen für Geschlechtergerechtigkeit an unterschiedlichen Orten erfahrbar.
  • Was ist Politik? Durch die Arbeit mit Bildern, Austausch und einer Schreibübung setzen sich die Teilnehmer*innen mit politischen Begriffen auseinander. Sie erkunden, wo Politik in ihrem Alltag stattfindet und wo eigenes politisches Handeln möglich ist.

Die Methoden dauern zwischen 45 und 90 Minuten. Sie sind für Präsenzangebote entwickelt, lassen sich aber auch für Online-Formate anpassen.

Foto: F3_kollektiv

Materialien für Jugendliche und junge Erwachsene
Unsere Bildungsmaterialien für Jugendliche ab 15 Jahren und junge Erwachsene sind für das Sprachniveau B2 konzipiert und können im Schulunterricht und in der außerschulischen Bildungsarbeit eingesetzt werden.

  • Einstiegsmethode „Rechte Bewegungen gegen Klima- und Geschlechtergerechtigkeit“ – Die Teilnehmer*innen setzen sich mit zentralen Begriffen auseinander und lernen Strategien und Formen der globalen Vernetzung rechter Akteur*innen kennen. Sie beschäftigen sich spielerisch mit Fort- und Rückschritten beim globalen Kampf gegen rechte Bewegungen und für Geschlechter- und Klimagerechtigkeit.
  • Einstiegsmethode „Can you feel it? Raum für Emotionen und Perspektiven zur Klimakrise“ – Die Teilnehmer*innen verbalisieren und reflektieren eigene Gefühle zur Klimakrise und setzen diese mit Erfahrungen von Betroffenen aus dem Globalen Süden in Beziehung.
  • Vertiefungsmethode „Fakten versus Fake – Falschaussagen zum Klimawandel enttarnen“ – Die Teilnehmer*innen entlarven typische Falschaussagen zum Klimawandel und lernen, ihnen mit wissenschaftlichen Argumenten zu begegnen.
  • Vertiefungsmethode „Antifeminismus erkennen und widersprechen“ – Die Methode vermittelt, wie Antifeminismus als Teil rechter Bewegungen funktioniert und Geschlechtergerechtigkeit angreift. Die Teilnehmer*innen lernen feministische Bewegungen kennen, die sich dem entgegensetzen.
  • Abschlussmethode „Mutmacher*innen – Widerstand aus dem Globalen Süden“ – Die Teilnehmer*innen lernen Klima- und Protestinitiativen aus verschiedenen Teilen der Welt kennen, besonders aus dem globalen Süden. Anschließend übertragen sie die Themen auf ihr eigenes Leben und formulieren Handlungsoptionen. Anschließend übertragen sie die Themen auf ihr eigenes Leben, formulieren persönliche Ziele und setzen diese kreativ in einem „Mutmacher“ um.

Die Methoden dauern zwischen 45 und 135 Minuten. Sie sind ebenfalls für Präsenzangebote konzipiert und können für digitale Formate angepasst werden.

Alle Materialien wurden in Testworkshops mit den jeweiligen Zielgruppen erprobt. Sie stehen kostenlos als Open Educational Resources unter der freien Lizenz CC BY-SA 4.0 bereit. Ihr könnt sie also herunterladen, einsetzen, an eure Gruppe anpassen und – unter Angabe der Lizenz – weitergeben.

Wir freuen uns sehr, wenn ihr die Materialien in eurer eigenen Bildungsarbeit nutzt. Lasst uns wissen, wenn ihr Feedback oder Verbesserungsvorschläge habt.

Hier findet ihr alle Materialien

Das Projekt „Bildung zu den SDGs gegen rechte Ideologien – Kämpfe und Strategien aus dem Globalen Süden“ wird durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie Brot für die Welt mit Mitteln des kirchlichen Entwicklungsdienstes gefördert.